Drachenlauf- warum gerade ich?...

 


2004: Zugegeben- gelaufen bin ich schon immer gerne, so um den Ölberg an die 5000 Meter. Hat immer Spaß gemacht, richtig sportlich war das aber nicht.  Welch eine Versuchung, dass im Dorf der sagenumrankte Drachenlauf startet. 26 Km lang und 1000 Höhenmeter- meine Güte!

Das sollte es dann mit meinen 54 Jahren aber schon sein. Nicht dass ich irgend jemand etwas beweisen müsste oder mein  Ego danach verlangte, ich wollte es einfach mal probieren.

Also, angemeldet und zwei Wochen trainiert, die  Schuhe waren ja noch ganz gut, am Tag vorher die Strecke schon mal abgelaufen- so zum kennen lernen- das sollte dann reichen. Was soll ich sagen, es reichte! Die Zeit war zwar im zulässigen Rahmen, der Rest machte mich im nachhinein aber nachdenklich: warum hatte ich im Nachtigallental solche Muskelkrämpfe, warum wollten meine Beine nicht auf den Drachenfels, warum ging es nach dem Gläschen Sekt auf dem Petersberg fast gar nicht mehr nach Hause? Weil ich Esel mich nicht richtig vorbereitet hatte!

Was gibt`s zu lachen? das Nachtigallental und der Petersberg kommen erst noch...



2005: In diesem Jahr ist alles besser. Seit dem Entschluss, es noch einmal zu versuchen, war ordentliches Training angesagt. Neue Laufschuhe der edlen Art mussten her,  die Laufintervalle wurden auf zwei bis dreimal in der Woche festgelegt und nach der optimalen Taktik gesucht. Als absolute Geheimwaffe erwies sich mein „Päckchen gegen Langeweile“. Gut zu tragen, da gewichtslos, enthielt es nichts als Alltagsprobleme. Immer, wenn der innere Schweinehund auf freier Strecke in meine Waden zu beißen drohte, zog ich ein Problemchen hervor und kaute intensiv darauf herum. Kein Gedanke für das arme Tier, meist war die schlimme Klippe schon gelaufen und meine Sorgen auch gelöst.

Dann aber immer wieder in mich selbst gehorcht: Wie geht es Füßen, Beinen, Muskeln? Reicht denn die Luft noch für den nächsten Berg? Oh ja, am Anfang hab ich schon gelitten, doch mit der Zeit da stellt sich ein bestimmter Rhythmus ein- das bist Du, so ist Dein Tempo! Dann öffnet sich das Päckchen und die schönen Gedanken kommen wie von selbst, Ich genieße die Natur, die Landschaft und jeden Meter, den ich schon geschafft habe. Ich glaube, jetzt geht´s.

Nur zur Probe bin ich dann die Drachenstrecke im frühen Jahr gelaufen. Im Geleitzug mit den Lauftreffern, die immer so gut drauf sind. Ein erstes Resultat sind meine nicht geschmerzten Beine, nur mit der Luft, da tut noch etwas Übung not. Die fand ich in der Vorbereitung auf den Lauf zur Löwenburg im Sommer.  So circa 15 Kilometer- Hälfte rauf und Hälfte runter- lassen die Lungenflügel pumpen. Immer an der Löwenburg,  da kommen mir die ersten Zweifel, ob das denn zu schaffen sei. Aber hier gilt nur die Umrundung, der Drache klettert obenauf! Doch all die Mühe hat sich dann gelohnt: nur 8 Minuten nach der selbst gesteckten Zeit verblieb noch etwas Kraft zu einem kleinen Spurt im Zieleinlauf. Gutes Mittelfeld in meiner Altersklasse.
Jetzt sind es nur noch gut drei Wochen bis zum Drachenlauf. Nur immer am Ball bleiben, so weiterlaufen, dass die Luft nicht knapp wird und weiter auf die Beine achten, dann kurz vorher das Training etwas runterschrauben- so müsste es gelingen. Eines aber ist dann noch ganz wichtig: das Päckchen- na, Sie wissen schon...


Nachtrag: Es hat dann schon noch geklappt. 3 Stunden war mein Ziel und mit 2:59:nochwas bin ich durch den Trichter!